Am 07.10.21 fanden im Bürgerhaus Ibbenbüren die 2. Ibbenbürener Schulgespräche statt. Nach einer Begrüßung durch unseren Konrektor Herrn Schmidt, Frau Pohl (Schulleiterin Michael-Grundschule) und Frau Althaus (Schulleiterin Mauritiusschule) wurde ein toller Kurzfilm gezeigt, in dem alle Ibbenbürener Schulen vorgestellt wurden. Auch die Bundesbildungsministerin Frau Karliczek als Schirmherrin der Veranstaltung legte die politische Sicht dar. Danach wurde durch den diesjährigen Gastredner Prof. Dr. Thomas Strasser aus Wien ein kurzweiliger Vortrag zum Thema “Digitales Lernen in der Schule – Thesen, Trends und Tacheles” gehalten, der verdeutlichte, dass nicht die Technik allein ausschlaggebend für sinnvollen Umgang mit digitalen Medien in Schulen ist, sondern dass es vor allem auf das pädagogische Geschick der Lehrer ankommt, um ihren Schülern Medienkompetenz zu vermitteln. Anschließend trat Prof. Dr. Strasser in den Dialog mit den Zuhörern. Hierbei kamen auch unser Schülersprecher Jan und unsere Schülerin Finnja zu Wort! Insgesamt war es ein sehr informativer und gelungener Abend, der auch an den Folgetagen noch für viel Gesprächsstoff in den Schulen sorgte!

Im folgenden können Sie den Beitrag aus der Ibbenbürener Volkszeitung lesen. Vielen Dank für die freundliche Genehmigung zur Verwendung des Textes und der Fotos!

Mit Technik allein ist es nicht getan (Quelle: Ibbenbürener Volkszeitung)

Zweite Ibbenbürener Schulgespräche: Für Dr. Thomas Strasser ist pädagogisches Handwerk zentral

Von Linda Braunschweig

IBBENBÜREN. Schule 2.0? Nein, die will Prof. Dr. Thomas Strasser nicht. Es brauche keine technischen Superlative, sagte der Hochschulprofessor für Fremdsprachendidaktik und technologieunterstütztes Lehren & Lernen an der Pädagogischen Hochschule Wien am Donnerstagabend im Bürgerhaus. Vielmehr gehe es bei der Digitalisierung der Schulen darum, das pädagogische Handwerk zu entwickeln, um die Technik zielgruppenorientiert einzusetzen.

Es waren die zweiten Ibbenbürener Schulgespräche, die Heinz Schmidt, stellvertretender Leiter der Janusz-Korczak-Schule, Beate Pohl, Leiterin der Michaelschule, und Monika Althaus, Leiterin der Mauritiusschule, organisiert hatten. Rund 100 Zuhörer aus Lokal- und Kreispolitik, Schulleitungen, Lehrern, Schülern und Eltern waren gekommen. Und natürlich stand die Digitalisierung im Fokus.

Es dürfte in den kommenden Monaten und Jahren wohl kein zentraleres Thema an den Schulen geben als dieses. So sagte auch Bildungsministerin und Schirmherrin der Veranstaltung, Anja Karliczek, voraus, dass Schulen sich in den kommenden Jahren deutlich schneller verändern werden, als in den vergangenen Jahrzehnten. Technik sei dabei Mittel zum Zweck, aber eben auch eine Möglichkeit, Kinder zu erreichen und so Chancengleichheit zu schaffen. Die Dynamik aus der Corona-Krise gelte es zu erhalten. Sinn der Digitalisierung sei es aber nicht, das soziale Miteinander auf den Prüfstand zu stellen. Wie wichtig dieses gerade in der Lehrer-Schüler-Beziehung ist, machte der begeisterte Applaus deutlich, den zuvor Monika Althaus erhielt, als sie betonte: „Wir sind alle froh, dass die Schüler wieder in der Schule sind.“

Und auch Dr. Strasser hält neben pädagogischer und digitaler die menschliche Kompetenz im Unterricht für wichtig. Das alles müsse „keine Raketenwissenschaft“ sein. Ob eine Schule nun 4G habe, sei nicht ausschlaggebend, sondern der kompetente Umgang mit den Medien. Dabei seien Lehrer Kuratoren, Bibliothekare, Wissenschaftler und DJs zugleich: Sie suchten das Material aus, sortierten die Infos, damit sie jederzeit abrufbar seien, betrachteten Quellen kritisch und müssten schließlich wissen, „welche Knöpfe sie drehen“, damit das ganze bei der Zielgruppe ankomme. „Sonst bringt das ganze WLAN nix.“

Unter allen technischen Möglichkeiten Häppchen – Strasser nennt sie „e-Tapas“ – herauszusuchen, die „leicht verdaulich sind“, sei eine Möglichkeit. Ob die Digitalisierung nun einen Schwung oder nur ein „Schwüngchen“ erhalten habe, sei noch nicht klar, aber: „Schwung entsteht durch Masse“, riet Strasser, Lehrer, Eltern, Schüler und Schulträger mitzunehmen.

Dass das noch ausbaufähig ist, verdeutlichte im anschließenden Gespräch André Dieckmann, Vorsitzender der Stadtschulpflegschaft. Er lud Politik und Träger ein, sich mit den Eltern an einen Tisch zu setzen, denn: „Wir wissen, was fehlt.“ Auch Schüler der Janusz-Korczak-Schule, Eltern und Schulleiter hatten Fragen an den Fachmann. Fehlende Systemadministratoren, der Stress im Homeschooling, Suchtgefahr, Ethik, Datenschutz, aber auch die Sorge von Lehrern, dass ihre Schüler ihnen in der Technik überlegen sind, kamen zur Sprache. Abschließend zogen die Roncalli-Schülerinnen Mia Gerighausen und Celine Klar ein Fazit. Sie warben für „analog und digital“. Schreiben mit der Hand solle nicht aufhören, sagte Celine. Mia betonte die Bedeutung der Chancengleichheit. Elke Frauns moderierte die Veranstaltung. Erik Schlieker und Nico Ahmann stimmten mit dem Film „Vielfältige Schulen für einzigartige Kinder“ auf den Abend ein.